III & IV Mond
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Schon wieder nur Sterben
Nur sterben lindert
Schon wieder nur Schmerzen
Schonender Umgang
Schonend umgehen
Schonend sterben,
schon wieder...
(III - 2003)
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Im Zoologischen Museum
Hab ich mich erkannt
Was ich gerne wäre
Ein Ohn-Rüssel-O-Fant
Dieses riesen Tier mit Klauen
Dickem Fell und sanftem Blick
Wünsch mich manchmal in die rauen
Eisigen Zeiten zurück
Heut ist alles viel subtiler
Wir Menschen sind dafür bekannt
Alles beginnt bei der Liebe
Und endet bei Kant
Bin die ganze Zeit so müde
Doch hetz ich hin und her
dass niemand mich kann fragen
"Ist alles noch so schwer?"
(V - 2003)
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Es ist ein Raunen zwischen meinen Ohren
Alt und weit der Ozean
Darin man tief ertrinken kann
Schon manche Seele so erfroren
(V - 2003)
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VI Mond
******************************************************************************Bin ganz still geworden
Halte alles von mir fern
Wende mich öfters nach Norden
Suche innig nach dem Kern.
Es bringt ja doch nicht viel
Das Kiffen muss ein Ende finden
Ich habe da so das Gefühl
Ich werd mich so noch lange winden.
Doch s'ist so schwer !
Mein Kopf der schreit
Die Willensecke lehr
Ich werd von meinem Leben entzweit!
Doch ich lass es nicht zu
Hab viel erlebt und gesehn
Komme endlich zur Ruh
Als Möglichkeit weiterzugehn.
(VI - 2003)
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VII Mond
******************************************************************************Feingliedriges Dornengewächs im Wind
Eifrig seine Saiten stimmt
Wobei ein stummer Klang erklingt
Und nebenbei viel Zeit zerrinnt
Feingliedriges Dornengewächs im Wind
Eifrig seine Saiten stimmt
Ein Sonnenstrahl erkennts geschwind
Und sonngeträumter Klang erklingt
Nun leuchtend die Strahlensaite schwingt
Liebstaunend da der Wind zerrinnt
(VII - 2003)
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VIII Mond
******************************************************************************Kann nicht immer guten Herzens sein
Wage mich bewusst in die Dunkelheit hinein
Denn ich denke wer das Böse nicht kennt
Sich oft im Sinne des Guten verrennt
Eine wichtige Situation total verkennt
Dann so die Blumen des Todes streut
Und blind sich seiner Ehre freut
Habt ihr denn alle das Ying-Yang-Prinzip vergessen?
Man soll nicht immer alles nur am Schönen messen!
Also lasst uns alle mal bisschen böse sein
Deshalb gehen wir Satan nicht auf den Leim
Dafür können wir danach viel mehr Gutes tun
Denn unser Gewissen will schliesslich ruhn
(VIII - 2003)
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Ich weiss, ich hab mich meinem Leben nicht gestellt. So hab ich bewusst einen einfacheren Weg gewählt, der mich nun vielleicht in Verderben rennen lässt. Denn vernebeln wollt ich meine Welt, die doch so von Blitzen durchzogen war; und ist es nicht so, dass Genies trotzdem schnell sterben? Strategisch wars vielleicht nicht schlecht, es führen tausend Wege ins Moor, doch welcher führt daran vorbei. Im einen ertrinkst du, im andern kannst du langsam waten, das dritte ist gesichert, beim vierten bist du allein, im fünften ist Krieg, im sechsten herrschst du.
Warum die Frage also immerzu
Wann schlummersenkt sich hier die Ruh
Ich will nicht, dass es jemals aufhört, die Muse die zu mir spricht, als kleine Elfe verinnerlicht, getrieben vom Hofstaat der Aussenwelt, und mancher in den Graben fällt, so erhalt ich mir die Innenwelt, weil für mich nichts anderes zählt; seid doch still, das versteht ihr nicht, denn ihr habt nicht meine Sicht! Es ist verdammt noch mal wahr, es war mir zwar nicht immer klar, doch euch zu krönen, zu verwöhnen, helfen zu wählen und dabei zu quälen, weil ich nichts andres versteh, als zu sein wie ich mich seh, in euren Augen wohlgemeint, um so für eine Zeit vereint zu sein, zu geben, zu leben - ja daran könnt ich mich gewöhnen.
Warum diese Blicke also immerzu
Wann schlummersenkt sich deine Unruh
Seid still, werdet ruhiger, nehmt Rücksicht und spührt, wenn mein Herz das eure berührt, es ist eine Kraft die verführt und leise Glut zu Feuer schürt, geheimnisvoll, zauberhaft toll. Und wenn ihrs nicht anzunehmen vermögt, meine Seele in zichtausend Stücke zerfliegt, mein Innerstes Wesen erliegt, eurem Stress, dass ihr nichts zu zeigen getraut, auf scheiss Anstandsregeln gebaut. Und niemand diese Grenzen sprengt, die ganze Society ins Korsett gezwängt, schaut zu und sinnt, was die Zukunft so bringt, und der Tag von heut ist sowieso; morgen schon wieder Tabu, alles nur dazu, ja wozu, warum eigentlich so zimperlich, öffnet eurer Herz und empfangt alles - auch Schmerz.
Oder habt ihr etwa davor Angst?
Das blutende Kreuz sagt: du kannst!
(VIII - 2003)
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Welch süsse Welt durch Hoffnung erhellt, alles von mir ausgewählt
Ists noch immer Nacht?
Wann bin ich davon aufgewacht?
Hätte nie gedacht, zu zieh'n ohne zu flieh'n auf einsamem Wege und ohne Gehege
War ich frei - Vogelfrei!
(VIII - 2003)
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IX Mond
******************************************************************************Vom Wind herangetragen, durch Sturmböen beflügelt
Stürzten wir uns in die Nacht
Zeitlose Bewegungen -
Wirbelspiel zwischen Körper und Wald
Es tanzten hundert Elfen in mir
Und trotzdem war es kalt
Es war als würde ich erfrieren
Weshalb ich alles daran gab
Mich in der Dunkelheit zu verlieren
In der niemand mich mag
Bald wurde Grün sichtbar, denn Licht brach herein
Erst grau - dann rot - dann hell
Ich fühlte tausend Seelen in mir
Grau bin ich selber
Grün meine unerschütterliche Hoffnung
Und rot ist mein Leben ...
Licht durchdrang mich, doch ich wollte keine Helligkeit
Verschwand ganz weit
Im Schatten der Zeit
Die mich stets befreit
Wenn ich noch nocht bereit
Für Verbundenheit
Lieber wieder blind
Lieber stummes Kind
Das seine eigenen Dinge sinnt
Die es nur teilt mit dem Wind -
- Und der Träne, die von meiner Stirne rinnt
(IX - 2003)
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In dieser durch Odem berieselten Nacht
Hat Seimen mir viel beigebracht:
Ich habe klar die Ketten gesehn
Mein Blick suchte ihn stets zu umwehn
So fühlte ich mich eingesperrt
Jede Bewegung habe ich verehrt
Es war nicht bloss der Drogen Macht
Die mich ihm so fügig gemacht
Da steckt etwas tief in mir drin
Das festhält an jedem Gewinn
Und einfach nicht loslassen kann
Bin gefangen im kindlichen Bann
( IX - 2003 )
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Gedankenpause
Rosen lächeln mich vorwurfsvoll an
Denn ihre Himmel sind zeitlos
Der Boden unter mir ist gelb
Träume ziehen wie Zugvögel gen Süden
Und Gedanken erwachen
Vom Schlummern ganz träge
(IX - 2003)
So hab ich versucht Liebe zu erzwingen
Mir bleibt ja keine Zeit Liebe zu verstehen
Steh ich nun also in der Einöde
Und träume vom Zugang zur Kreativität
Mein Bewusstsein erhellt sich wieder
Doch alles geht noch ganz langsam
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Die Quelle ist nunmehr ein Rinnsal
Weiss auch noch immer nicht genau
Zu entscheiden zwischen Wohl und Qual
Und fühl mich als die arme Sau
Es tanzen Regentropfen vorm Fenster
Platschen nieder - plitschen frech
Ach - meine schlummernden Gespenster
"Erwachet doch in eurem Reich !"
Mir hat jemand vor das Tor gepisst
Und damit es sich nicht weiter frisst
Werd ich jetzt wohl scheuern geh'n
- Dann will ich den Narren seh'n
(IX - 2003)
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Wie schwarze Schlacke die sich um mein Herzen legt
Es sich in endlosen Kreisen um meinen Magen bewegt
Und auf unaufhaltsamen Wegen in den Kopf hoch zieht
Wo sichs tief und fest verkrallt - eh man sich versieht
(IX - 2003)
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Manchmal kommt mir das Leben so überflüssig vor
Finde, ich verschwende meine Hände, mein Ohr
Meine Unschuld schmeiss ich weit von mir weg
Denn ich erkenn doch keinen sinnvollen Lebenszweck
(IX - 2003)
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X Mond
******************************************************************************Diesen Sommer hab ich von Liebe geträumt
Und darüber mein Leben versäumt
( X - 2003 )
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Es ziehen leis und sacht
Helle Lichter durch die Nacht
Meine Träume ihre Kreise dreh'n
Von trüben Augen kaum zu seh'n
Und wie sie so durch die Strasse zieh'n
Schatten vor ihrem Schimmer flieh'n
Und so mancher schein zu spüren
Wenn sie dessen Haupt berühren
(X - 2003)
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Bin eingetaucht in einer Märchenwelt
Die ergreifend schöne Geschichten erzählt
Es ist ein einzigartiger Glanz
In der Musik und im Tanz
In den Augen diese Lichter
Leuchten in verträumten Gesichtern
( X - 2003 )
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He - Königin, was ist gescheh'n?
Hast zu viel in die Wolken geseh'n?
Regen erhob sich für dich
Aus durchtränkten Wiesen
Schwebte im Erdenraum
Bereit sich abermals zu ergiessen
Manchmal scheint es schwer
Dieses ständige hin- und her
Doch du weisst schon
Ganz ohne Hohn
Ist es deine Lektion
Die du lernen musst
Bewusst;
Nicht stets vernebelt und geknebelt
Warum ziehst du dich hinter den Graben zurück?
Lässt offen die Falltür ein kleines Stück?
Den Narren hast du wohl verbannt
Hast ihn nicht als Hilfe erkannt
Er sitzt nun tief im Gewölb
Wo kaum Licht
Das Dunkel durchbricht
Lass ihn zu dir hochsteigen und
Dir neue Dimensionen zeigen!
( X - 2003 )
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Erstaunlich wie das Leben spielt
Sobald man auf was Bestimmtes zielt
Ich würd so vieles dafür geben
Könnt ich meine Träume leben!
Doch gerade dies "Geben" bewirkt
Dass sich letztendlich alles verwirkt
So seh ich diese Geschichte an
Wie es mit dem Zauberer kam...
( X - 2003 )
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Weshalb hab ich mir das angetan?
Welcher verzwickte Geist hat mich geritten
Mich hinzugeben so ganz zahm!
Seither bin ich mit mir verstritten
Mein Drache ist zwar ganz schön wild
Doch Feuer kann er keines speien
Dafür besitzt er ein graues Schild
Solang ich mir nicht kann verzeihen
Lange, lange, so lange ists her
Erinnere mich an so vieles nicht mehr
Hab dich tief in meinen Kerker gesperrt
Nun dein Ruf immer wiederkehrt
Hallt und schallt in allen Räumen
Mein Palast ist unergründlich weit
Steht in einem Meer von Bäumen
Ein Feuergraben bietet Sicherheit.
Ich hab irgendwie lange gedacht
Dieser Morgen hätte mir nichts ausgemacht
Doch der Funke zündete nicht
Und immer grösser wurde der Wicht
Lange, lange, so lange ists her
Erinnere mich an so vieles nicht mehr
Hab dich tief in meinen Kerker gesperrt
Nun dein Ruf immer wiederkehrt
Der grosse Zwerg der Scham
Der mir viele Möglichkeiten nahm
Der fiese Gnom der Bezichtigung
Beachtete jede kleinste Bewegung
Und schimpfte mich ganz klein:
Du willst eine Leidenschaftlerin sein?
Dazu fehlt dir aber was
So macht es ihm wohl keinen Spass
Und das Wesen wuchs empor
Und flüsterte mir ständig ins Ohr
Mit jedem Mal, wos nicht gelang
Die Schlange fester mir Luft abrang
Lange, lange, so lange ists her
Erinnere mich an so vieles nicht mehr
Hab dich tief in meinen Kerker gesperrt
Nun dein Ruf immer wiederkehrt
Bis sich der Schlanges Wunsch erfüllte
Und ich mich vor vielem enthüllte
Meine Seele mit Demut fütterte
Obschon ich sehr wohl die Spinnen witterte
Eine kletterte zu mir ins Haus
Und raubte mir mein Zimmer aus
Die andere - hier werd ich ganz fahl
Schlich zu meiner Mutter ins Spital
Wer hätte gedacht, dass das strafende Organ
Bei mir in Form von Spinnen kam
Die ganz leise ihre Netze flochten
Alles verwebten, was sie - also ich - mochten
Lange, lange, so lange ists her
Erinnere mich an so vieles nicht mehr
Hab euch tief in meinen Kerker gesperrt
Nun euer Ruf immer wiederkehrt
Den Spinnen hab ich die Freiheit geschenkt!
Aber die Schlangen und Zwergen und Riesen
Sind an Kerkerwänden aufgehängt
- Nun werden auch sie ausgewiesen...
Als Drachenfutter taugen sie nicht
Und ihre Rufe hab ich satt
Ich will, dass eine neue Zeit anbricht
In der ich mir vergeben hab.
( X - 2003 )
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Seht - ich kann mit den Nebeln spielen
Brauch ja bloss mit Pillen zu jonglieren
Fehlt es mir an Sonnenschein
Hau ich mir Substanzen rein
Nur so lässt sich mein Sein leben
Und andern sogar Liebe geben
Trotzdem lass ich so mein Leben sein
Denn es ist nicht mehr ganz mein
Wir sind Sklaven geworden
Wir alle - in ganzen Horden
Ja, waren wir denn jemals frei
Wer verantwortet diese Lügerei?
( X - 2003 )
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Dieser schwarze Nebel, der mich umgibt
Ist noch lange, lange nicht besiegt
Sah ihn doch in die Himmel steigen
Sah, wie sich mir neue Welten zeigen
Länder, die ich scheinbar vergass
Denn meiner Kindheit fehlte was
Vielleicht kam auch zuviel hinzu
Und es fehlte mir an innerer Ruh
Aber diesen Sommer hab ich gespürt
Was uns Menschen zusammen führt
Hab gespürt, wie sich Leben anfühlt
Wenn nicht alles mich innerlich aufwühlt
( X - 2003 )
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In der letzten Nacht
Hab ich sehr viel nachgedacht
Ihr wisst, dies arge Träumen
Wo sich Sorgen aufbäumen
Zu vielschichtigen Türmen
Umweht von kalten Stürmen
Während du diese Räume durchwanderst
Veränderts sich stets, alles wird anders
Wortfetzen fliegen an dir vorbei
Angst wird verwandelt in Schwärmerei
Gefühle werfen dich hin und her
Ausgesetzt im Schwarzen Meer
In dem du zwar unsterblich bist
Doch des Verstandes Halt vermisst
Am Morgen dann weckt dich das Licht
Dein dunkles Denken begreifst du nicht
Versunken also beginnt dein Tag
Der neue Traum-Ideen bringen mag
( X - 2003 )
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XI Mond
******************************************************************************Schwer zwischen den Häusern zu wandeln
Jede Strasse - jeder Mensch gleicht dem andern
Alles gezeichnet von Kälte und Stress
Geschniegelstriegelt im Alltags-Dress
Häuser brechen
Strassen sprechen
Von Arbeit von Eifer
Denn keiner hat Zeit
Von überallher ruft es:
"Macht euch bereit!"
Bereit für eine Zeit
Wo alles weit und breit
Nach *haben* schreit
Wo *sein* nicht mehr zählt
Und jeder eine Maske wählt
Wie hab ich doch diesen Sommer gelernt!
Werd ich's umsetzen können?
In dieser öden, ja kalten Welt
Wo so viele dunkle Wasser strömen
( XI - 2003 )
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Wo soll ich mit meiner Dichtung hin?
Wer wird denn dies schon lesen?
Was wollt ihr mit meinem inneren Wesen
Das immer auch ich selber bin?
Bin auch das normale Schreiben satt
Wo bleibt meine surreale Ader?
Auf allen Lippen liegt ein "aber"
Meine Elfe da ihre Freude hat
Wenn nicht immer gleich alle wissen
Und erkennen was ich sagen will
Deren Geist immer erst still
Um danach frischer zu fliessen
( XI - 2003 )
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Am Mittwoch ich zur Dyade renn
Ihr meine sechs Leben nenn
Am Abend muss ich tanzen geh'n
Will ich ein Morgen wiederseh'n
Am Donnerstag die Nase voll
Meine Schule versäumt
Na, Tochter, ganz toll
Wieder deine Flügel verträumt
Das Wochenende nochmals Tanz
Nein - diesmal nicht ganz
Am Samstag war ich in Tibet
Gar viele Leute waren da
Beeindruckend, was ich so sah
Hat mir viele Gedanken verweht
Am Sonntag Rauch
Am Montag auch
Der Dienstag aber war gefüllt mit Kraft
Endlich hatte ich mich aufgerafft!
( XI - 2003 )
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Alle Erinnerungen waren plötzlich da
Als ich Herrn Hochstrasser sah
Die Mutter zuerst
Der Vater stolz folgte
Ich weiss ja was ich sollte
Es ist allerschwerst!
( XI - 2003 )
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Mich hat da so was hingerafft
Was grad überhaupt nicht passt
Ich glaub da war ein Sturm
Dem war ich nicht gewachsen
Er liess erbeben meinen Turm
Wehte Verwirrung in die Gassen
In den Wolken - wieder dies Gesicht
Hinweg du Wicht
Nein! Seh dich nicht ...
Doch dann mach ich die Augen auf
O Graus! Hab was Dunkles im Haus
Und mein Zittern mir zu ruft: "Lauf!"
"Renn weit über deine Grenzen hinaus"
Kann ich denn mein Reich verlassen?
Würde ich dann nicht verblassen?
Und wäre für niemanden zu fassen?
Unsichtbar in fremden Gassen?
Nein, ich will ja Herrscherin sein
In meinem wunderschönen Reich
Umgeben von seltenem Gestein
Und grünen Hügeln ganz weich.
( XI - 2003 )
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Manchmal löst sich der Nebel auf
Sonne durchflutet das dunkle Tal
So blick ich erlöst zum Blau hinauf
Mein Gesicht hascht nach jedem Strahl
Ich brauch der Sonne Kraft
Bin am Kämpfen - ja am Streiten
Und befinde mich in Eigenhaft
Werd behindert von allen Seiten
Warum nur ist mein Leben so schwer?
Oder bild ich mir das bloss ein?
Und doch ist's noch nicht lange her
Dass das Schicksal bei mir kehrte ein
Es zieht in grossen Kreisen herum
Und streift mich jedes Jahr
Zeitweise reisst es mich mit um
So wie es diesen Sommer war
(XI - 2003)
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Heut ist ein reger Tag
Denn Regen fällt vom Himmel herab
Der Asphalt ist des Tropfens Grab
Wobei er sich grosse Mühe gab
Mein Haupt nicht zu verfehlen
So schreit ich klamm durchs Massengrab
Mein Loch im Schuh erbarmen hat
Nimmt insgeheim paar Leichen auf
Ja bin ich denn ein Leichenhaus?
Verstört ich meines Weges geh
Ein Fuss im Totensee - oh weh...
(XI - 2003)
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Auf endlosen Weiden erstreckt sich ein Land
Dahin werden Vögel und Echsen verbannt
Deren Panzer nicht voller Federn sind
Und deren Schnäbel nicht beissen im Wind
Die Weiden sind Wüsten und Moore zugleich
An schwer passierbaren Gebirgen reich
Darüber erstreckt sich ein Ozean
In dessen Strömung schwimmt ein Schwan
Sein Gefieder ist ganz dunkelgrau
Es ist so weit - ich sehs nicht genau
Jetzt treibt er durch eine grosse Tür
Ich frag mich: wofür treibt die Tür als sei's eine Kür auf diesem weiten Meer daher -
Was weiss der Schwan, was wir nicht sah'n?
Weiss er mehr vom Meer;
Oder sind wir die Tür?
( XI - 2003 )
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XII Mond
******************************************************************************Am Montag war der Kay bei mir
Wir rauchten Bong nach alter Manier
Der Dienstag entzieht sich meinem Hirn
Den jetzt beginnt der Zwirn
Am Mittwoch sich Therapie anbot
Erst ich, die Schweiz, dann Nirava in Not
Am Donnerstag ich die Wurzel aufsuche
Finger weg, Babygeschrei und weibliche Fluche
Zu Hause dann ein Kriesengespräch
Ob ich in ihr denn nur gute Seiten säh
Freitag, Kindertag, Niravatag, langer Tag
Um 4 ich mich dann nach Hause begab
Schliesslich stand Ägypten vor der Tür
Ferien, ja da war ich dafür!
Das Schwänzen wohl meine Rettung war
Sonst käm ich mit meiner Reise nicht klar!
Denn Samstags gings in der Schule weiter
Der Weiss, der macht mich gar nicht heiter!
Ein riesen Vixer das ist!
Dem Gedicht sag ichs ins Gesicht!
Am Abend war Risiko angesagt
Beim Tanzen hab ich mich dann abgeregt
Dies ging bis Sonntagabend durch
Danach schlief ich wie ein Lurch
(XII - 2003)
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Es steht ein Reh am Holundersee
Und frisst genüsslich
Unverdrüsslich
Taubenetzten Wanderklee
Wär das Reh ein Reiher
So ständs gewiss in einem Weiher
Und frässe genüsslich
Unverdrüsslich
Grüngefärbte Goldfisch-Eier
(XII - 2003)
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Eine dem Sinn nach besinnliche Zeit
Verstaubtes Denken mir entsteigt
Das mir beschreitbare Wege zeigt
Bevor das Jahr zu dem Ende sich neigt.
Wege zu gehn oder zu meiden?
Dies wird sich wohl erst zeigen...
Wie bin ich zum Beispiel das Dichten leid!
Ich suche verzweifelt ein anderes Kleid
Um darin meine Gedanken zu hüllen
Damit sie nicht auseinander fallen
Doch warum trau ich mich nicht zu lügen?
Euch zu betrügen, Werte umzupflügen...
Meine Gedichte sind, ach, allzu wahr
Meine Seelenspiegel trübendklar
Und ich übermütig gestimmter Narr
Bot euch alles ganz frei dar
Deshalb besteht nun keine Liebe mehr?
Meine Worte sind kurz, klamm, lehr...
(XII - 2003)
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Bist du bereit?
Für die Wirklichkeit?
In dieser unserer neuen Zeit?
Wir sind alle auf der Flucht...
Jagen Welten hinterher
Erreichen sie teils immermehr - teils nimmermehr...
- Mir grosser Wucht trifft mich die Sucht -
(XII - 2003)
Bin ich bereit?
Für die Wirklichkeit?
In dieser unserer neuen Zeit?
Befinde mich auf der Flucht...
Jage Welten hinterher
Erreiche sie teils immermehr - teils nimmermehr...
- Mir grosser Wucht trifft mich die Sucht -
(Variation)