Samstag, 5. Januar 2008

Beerdigung

Es ist der Tag in Nebel völlig eingehüllt
Entseelt begegnen Welten sich
Bald haben Tränen alle Himmel weggespült

Der Tag ist bleich von Traurigkeit
Denn du, o du bist gestorben
Mein Herz klagt eine Sehnsucht weit
Und meine Schwestern höre
Ich weinen in meinem Blut

Hinter Bäumen barg ich mich
Bis meine Augen
Ausgeregnet haben

Noch immer muss ich träumen
Von deinen tiefen Glanzaugen
Die blickten wie junge Knospen
Von gottalten Bäumen

Dein Blass schneit von meinen Wangen

Ich bin so traurig
Mein Herz geht langsam unter
Ich weiss nicht wo

Wir sitzen Hand in Hand
Wie golden doch dein Blick war!
Und unsere Augen weiten
Sich fragend wie Kinderaugen
Weiss liegt die Trauer schon auf unserem Haar
Und es schliessen sich wie Rosen
Unsere Hände

Unsere Mutter hatte goldene Flügel
Die ihre eigene Welt fanden
Lichter waren ihre Finger und ihre Füsse wandernde Träume

Wie gross aufgetan deine Augen waren
Du hast den Himmel gesehen
So nah so tief
Und ich habe auf deiner Schulter
Mein Land gebaut

Du hülltest mich in dein Leben ein
Und hast mich gelehrt so wie du zu lachen

Ich schlang meine Arme um dich
Wie Gerank;
War doch mit dir verwachsen
Alle meine Schmetterlinge scheuchte ich
In deinen Garten

Nebel liegt auf meiner Wange

Nichts ist diebischer als die Kränke
Sie bricht dem Leben die Füsse

Ich wollte mir dir stille stehen
Zwei Zeiger auf dem Zifferblatt
Nie mehr soll es früh werden
Da man deine Jugend brach
In deiner Schläfe
Starb auch Paradies

Liebe Mutter, ich träumte schwer
Ich sah dich nicht an ohne Seufzer mehr
Und ohne heimliches Weinen

Und ich schenkte dir mein Herz, das rauscht

Ich wusste immer wann du an mich dachtest
Dann wurde mein Herz ein Kind
Und schrie

Jetzt bist du eine Sternin -

Wie wächst deine Seele
Über alle Welt hinaus!
Ihren Anfang verlierend
Über alle Zeit hinaus

Dein Herz wandert die letzte Nacht
Und geht
Und naht so weit und ewig wie ein Meer

Seit du begraben liegst auf dem Hügel
Ist die Erde süss



Engel plückten sich dein Lächeln
Und schenkten es den Kindern
Die spielen nun Sonne damit
Ja ...
Ach was bin ich doch
Ein Rätsel mir
Ich will glänzen
Doch bedeck ich mich
Mit Staub

Einmal nur in meinem Leben
Das Richtige tun
Einmal nur
So dass es mich trägt

Immer dieses Hin- und herwinden
Und diese Trauer im Bauch

Ich bin mir zu schwer
Und suche allerlanden
Etwas, das mich glänzen lässt
Und Flügel aus Gold

Dabei scheint der Stern
Auf meiner Stirn
Er blendet meine Suche
Und das Glück will mich nicht finden

Könnt ich ihn nehmen
Und in meine Hände legen
Damit er leuchtet
Meinen Weg
Dass ich mich nicht mehr so arg
Verirren kann
Der tröstende Schnee
Und die Nebel
Geben dieser Zeit
Halt

Ich kann nicht leuchten
Wie ein Stern
Doch einen leisen Schimmer
Sieht man immer

Ich bin ganz in Weiss
Schnee und Mond
Nebel selbst im Haar
Ich denk an dich -
An deine Augen voll Wald
All die Wasser
Die darin ruhen
Und dein Mund
Aus Gold

Ich will immer dir
Worte daraus stehlen
Die du hütest
Wie einen Schatz

Ich denk an dich -
Und meine Falter
Kommen zurück
In meine Nacht

Und einige hast du umgebracht
Ich denk an dich -
Falter werden meine Augen
Sie fliegen, flattern
Dir entgegen
Um von deinen Lippen
Süsses nur zu rauben
Deine Nacht hält sie nicht auf

Denkst du an mich?

Mit jedem Wimpernschlag
Ein silberner Falter
Dir seine Flügel gab

Wann wirst du fliegen, flattern
Mir entgegen
Um von meinen Lippen
Dir Wärme und Trost zu ergattern
Ich will fliegen
Können -
Und zwar über allen Wolken

Was soll nur
Dieser Stein
Der an meinem Fusse
Angebunden

Ich höre Kreise
Die drehen in meinem Blut
Und will über mich hinweg
Steigen
Ich bin Berg und Tal
Wandere du meine Wege
Und schau!
Die Landschaft

Über alle Ebenen weit
Erstreck ich mich
Und bin ein Land
Schau her!

Willst du es nicht erforschen?
Zeigen möcht ich dir
Alle Wasser
Jeden Stein -

Du sollst in mir vergessen sein
Und auf dem Scheitel meines Berges
Dein Haus bauen

Zusammen rufen wir
Hinab ins Tal
Und fliegen in alle
Die Himmel

Und singen dass unsere Hände
Rosen sind
Und tanzen wie Regentropfen

Sonne ist unser Lachen

Und wir glänzen
Du Gold
Ich Silber
Unentwegt uns an
Mir sind meine Worte
Wie Blütenblätter
Von der hohen Stirn gefallen

Manchmal ...

Dann plötzlich wurde es blau
Und Licht kam
Mit den Farben

Dann -
Manchmal
Liegen Felsen schwer
Auf meinen Schläfen
Und Blumen sterben
Unter dem Gewicht
Von grau

Dann -
Ist Ende und leicht
Manchmal ...
An einem eisigkalten Wintermorgen
Ist unsere geliebte Mutter gestorben

10'000 Tage Leiden ist genug
3'000 Tage Feuer

Du kannst jetzt nach Hause gehn
Und uns von überall her zusehen

Ach, ich bin so traurig
Nachtfalter wollen mich trösten
Doch ihre Flügel fallen von mir ab

So sitz ich hier und weine

Und doch - ich fliege mit dir
Im Traum
Von uns erschaffenen Welten zu

Und zusammen singen wir ein Lied:
10'000 Tage Leiden ist genug
Es ist Zeit nach Hause zu fliegen
Es ist Zeit ...
Ich schwebe erdentbunden
Hab wieder etwas Kraft gefunden

Ein Schritt folgt dem Nächsten
Mir bangt nicht mehr vor dunklen Nächten

Dunkle Himmel
Daran kein Mond hängt
Keine Angst

Meine Augen nun mutig geöffnet stehen
Mein Blicken ruht

- Noch eine Träne an meiner silbernen Kette glitzert
O du - mein güldener König
Deine Seele ist ein Wald
Mein Sturm hat sie etwas zerzaust
Doch alle Stämme stehen gerade

Hast du mich weinen gehört?
Durch das Dickicht deiner Seele?
Weil deine Augen bang geöffnet stehen

O, meine Seele war ein Wald
Dein Sturm hat ihre Stämme gefällt

Hast du mich nicht weinen gehört?
Im Schatten uralter Bäume
Suchend nach Trost
In deinem Walde

An meinen Ästen hing die Liebe
Tröste du meine Seele im Schlummer
Nun lag ich mir also zu Füssen
Ein Bündel Trübsal
Verkrampft in einen Seinskampf

Nicht alle Sonnen wärmen
Und nicht alle Monde lindern

Manchmal schlägt man hart auf
Ich habe heute ganze Meere geweint
Es ist kein Wasser mehr hinter meinen Augen

Doch eines habe ich gesehen
Ich habe mein Herz auf einen Pfahl gesetzt
Und der steht still

Ich kann nicht mehr weiter
Und er kann nicht kämpfen

Allen Witterungen ausgesetzt
Steht er da und wartet ab
Dass die Gewitter vorbeiziehen
Was sie letztendlich immer tun
Auch wenn neues Moos ansetzt
Den Pfahl hats nicht verletzt

Mein Herz aber
Will mit den Winden gehn
Und nicht im Regen stehn

Es muss wieder zu mir zurück
Falls möglich in einem Stück

Warum ist es bloss so schwer aus einenem Willen zu glänzen?

Ich bin wie ein Würfel
Der versucht zu rollen
So kantig, dass ich überall
An meinem Leben hängenbleibe

Ich will nicht mehr liegenbleiben ...
In meinen Händen
Trage ich helle Sterne
Du staunst über ihr Leuchten
Doch fremd ist dir die Not
Meiner Einsamkeit

Ich will dich in meine Welt locken
Dich entführen bis dein Engel
Wieder Lachen
Und mit deinem Lachen spielen

Du aber - ach du!
Gehst zaghaft an meiner Welt vorbei
Und brichst mein herz entzwei

Nun ist meine Welt dunkel
Meere von Tränen werden von wütenden Stürmen
Hin- und hergewälzt

Nun will ich sie nicht mehr teilen
Denn sie geht unter ...

Wo soll ich nun hin?
Ich sterbe auf meines Lebens Saum

Ach hät ich doch nicht ...
Geträumt den schönen Traum
Wie kann ein Mensch alleine
So sehr traurig sein
Und nicht genau wissen warum?

Angestaute Seen
Entleeren sich hundertfach
Woher können so viele Tränen kommen?

Ich will schreien
Doch weiss nicht wie
Meine Worte ersticken mir
Und fallen schwer zurück in den Bauch

Ein weiterer Stern
Der auf meinem Scheitel lächelte
Ist mir abgefallen
Und ich beweine ihn und mich
Und bin so traurig -

Alles um mich herum wird grau
Mein goldener Glanz
Ist leise von mir abgefallen
Silberne Tränen
Bedecken meinen Leib

Ich bin gestorben
Tausendfach
Und meine Seele versteckt sich unter moosbewachsenen Steinen
Ich vermisse dich
Mein roter Krieger
Deine Worte haben sich
Wie Monde um mein Herz gesellt
Und meine nacht erhellt

Wo bist du
Mein roter Krieger
Steht dein Leben noch unter den Sternen?

Deine Blicke haben mir geschmeichelt
Und mir Blüten ums Haupt gelegt

Beinahe hatte ich Flügel
Doch hab sie wieder abgestreift

Und nun brennen die Sonnen
Auf meinen nackten leib
Und ich bin schon ganz ausgetrocknet
Nur meine Tränen fliessen noch

Um mich ildet sich ein geweinter See
Ünd mein vertrocknetes Herz
Versinkt ...
Ertrinkt